Im Home Office – also von zuhause aus – zu arbeiten, klingt einfach so unglaublich verlockend. Du kannst länger schlafen, sparst dir den Stau, kannst nebenbei den Haushalt erledigen und weder Chef noch Kollegen stehen in der Tür und stören deinen Tatendrang. In unserer Fantasie liegen wir im Pyjama auf der Couch, mit dem Notebook am Schoss, kochen uns mittags ein leckeres Gericht oder haben zwischendurch Zeit für eine Runde Yoga .

Äh ja, soweit die Vorstellung, wie denn Home Office sein könnte. Nach mehreren Jahren mit Höhen und Tiefen im Büro zuhause, möchte ich euch mal Einblicke geben, wie denn das in der Realität so ist. Denn: Ein paar Herausforderungen gibt’s da doch zu bewältigen – bevor man den absoluten Luxus des Home Office so richtig genießen kann :). 

 
 

Home Office & Arbeitszeit

Im Home Office kannst du dir deine Arbeitszeit flexibel einteilen. Was passiert aber, wenn man plötzlich diese unglaubliche Freiheit hat?  Man versucht, von Montag bis Freitag am halb 8 am Schreibtisch zu sitzen, damit man so rund um 5 Feierabend machen kann. War man ja jahrelang so gewohnt und „so ist es halt im Arbeitsleben“. Blödsinn! 

Meine Arbeitstage sind mittlerweile ziemlich unterschiedlich, abgestimmt auf die (etwas ungewöhnlichen) Arbeitszeiten meines Partners. Wenn er nachhause kommt, ist auch bei mir Feierabend. Manche Tage beginnen später als üblich, enden dann aber auch erst nach 20 Uhr! Grundsätzlich habe ich gewisse fixe Zeiten definiert, wo ich arbeite und auch für Kunden erreichbar bin. Zusätzlich gibt’s Zeitblöcke, wo ich an eigenen Projekten, Blog-Artikeln etc. arbeite. Das ist bei mir oft abends oder auch am Wochenende (es ist übrigens gerade Samstag, 21:34 Uhr).  Dafür hat sich bei mir ein (großteils) arbeitsfreier Montag eingebürgert – genial für allerlei Besorgungen und Ausflüge, weil alle anderen in der Arbeit sind! Außerdem nehme ich mir mittlerweile auch heraus, nach einem Termin noch eine Runde spazieren zu gehen, unter der Woche meine Familie zu besuchen oder mal ein Mittagsschläfchen einzulegen, wenn mich das Mittagstief überkommt. 

Mein Tipp für’s zuhause arbeiten:

Finde heraus, wann du wie produktiv bist. Manche Menschen bringen vormittags am meisten weiter, andere entwickeln erst in den Nachtstunden die volle Kreativität. Genieße die Möglichkeit, deine Arbeitszeit selbst zu bestimmen! Vergiss dabei aber nicht, auch genügend Entspannungsphasen und Zeit mit deinen Liebsten einzuplanen. 

 

Home Office & Start in den Tag

Kein Bus, der erwischt werden muss und kein Chef, der einen pünktlich erwartet. Ob man bereits um 6 Uhr früh am Schreibtisch sitzt oder um 10 Uhr erst mal aufsteht, ist als Selbstständiger im Home Office theoretisch egal – natürlich, solange es mit den Kunden vereinbart werden kann. Gerade in der Anfangszeit überfordert einen diese neu gewonnene Unabhängigkeit. 

Ich hatte in den letzten Jahren Phasen, wo ich wirklich erst gegen Mittag mal meinen Schreibtisch aufsuchte. Und Phasen, wo ich mich nötigte, in aller Frühe schon zu starten. Mittlerweile habe ich meine Morgen-Routine gefunden, die für mich perfekt passt. Während alle anderen zum Arbeitsplatz hetzen, sitze ich gemütlich mit meinem Kaffee auf der Terrasse – und bin tagtäglich dankbar dafür. Währenddessen lese ich oft schon inspirierende Artikel oder checke meine Mails. Dann gibt’s mal Frühstück und ein paar Handgriffe im Haushalt. (Frühestens) um 9 Uhr bin ich dann startklar für den Schreibtisch. 

Mein Tipp für’s zuhause arbeiten:

Teste aus, was deine ideale Morgen-Routine ist. Bist du eher Frühaufsteher oder Langschläfer? Bist du morgens top-fit oder brauchst du länger, um in die Gänge zu kommen? Genieße die Flexibilität, die du als Selbstständiger hast und wähle den Tagesstart passend zu deinem Biorhythmus.

 
 

Home Office & Abschalten

Ist das Ende des Arbeitstages erreicht, geht’s direkt in den Feierabend. Statt sich ewig durch den Stoßverkehr zu quälen, ist beim Arbeiten zuhause das Wohnzimmer nur wenige Schritte vom Büro entfernt. Notebook zuklappen und den Kühlschrank fürs Abendessen konsultieren passiert innerhalb einer Minute. Und dann bleibt nur mehr der lange, entspannte Feierabend  – sollte man meinen. 

Dies ist eindeutig meine größte persönliche Herausforderung.  Woher weiß man als Selbstständiger eigentlich, wann der Arbeitstag zu Ende ist? Immerhin gibt es noch immer dieses und jenes, was ich „doch noch schnell“ erledigen könnte. Außerdem bin ich der Typ Mensch, bei dem manchmal am späten Nachmittag / Abend die Ideen so richtig zu sprudeln beginnen. Vom Schreibtisch aufzustehen und sofort in den Feierabend-Modus umzuschalten gelingt mir sehr selten. Immerhin habe ich ja gerade an etwas gearbeitet, dass ich noch im Kopf habe.  Und der lässt sich (zumindest bei mir) nicht einfach so abschalten. 

Was mir hilft: Beim gemeinsamen Abendessen noch über die aktuellen Tagesthemen zu sprechen. Ein Brettspiel, Kreuzworträtsel oder ähnliches, wo meine Hirnleistung für etwas anderes benötigt wird. Ein Spaziergang. Oder manchmal – vor allem, wenn’s schon relativ spät ist, auch einfach direkt die Couch und eine spannende Thriller-Serie! 

Mein Tipp für’s zuhause arbeiten:

Leg dir eine Uhrzeit fest, wann dein Arbeitstag zu Ende ist. Das könnte z.B. sein, wenn dein Partner nachhause kommt oder (spätestens) nach einer gewissen Anzahl von Stunden. Wenn du sportlicher bist als ich, kann sicher eine Runde Bewegung hilfreich sein ;). Oder verabrede dich mit einem lieben Menschen zum Abendessen, Sport oder einer anderen Aktivität, um einen fixen privaten Termin zu haben. 

 

Home Office & Haushalt

„Den Haushalt kann ich nebenbei schmeißen – ich bin ja eh zuhause.“ Das denkt sich wohl jeder Home-Office-Neuling zu Beginn . Ist ja auch ultra-praktisch, wenn Arbeit und Haushalt miteinander kombiniert werden können. Am Vormittag mal kurz das Bad putzen, beim Kaffee-Holen den Geschirrspüler ausräumen, gleich noch vorkochen und zwischendurch staubsaugen. Klingt genial, funktioniert in der Realität semi-gut. Die Konzentration hüpft vom Putzlappen zur neuesten Mail und vom Projekt zur Wäsche. Weder das Eine noch das Andere ist sinnvoll erledigt. Und am Abend ist man erst recht unzufrieden.

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Mittlerweile hab ich dieses Dilemma ganz gut im Griff. Arbeit ist Arbeit und Haushalt ist Haushalt – und das wird trotz Home Office nicht vermischt. Manchmal erledige ich in der Früh schon ein paar Handgriffe (yeah, morgendliches Erfolgserlebnis!). Sonst blende ich das Chaos einfach aus. Sieht ja eh keiner ;). Zwei Ausnahmen gibt es: Wäsche einschalten und aufhängen geht super in kleinen Pausen. Und während das Mittagessen köchelt, werden ein paar Handgriffe in der Küche erledigt. Aber dann wieder: Ab an den Schreibtisch und Fokus! Meistens zumindest ;).

Mein Tipp für’s zuhause arbeiten:

Mach dir selbst klar, dass du in der Arbeit bist! Wenn du wo anders arbeiten würdest,  könntest du ja in dieser Zeit auch nicht staubsaugen! Setz dir am Weg durch die Wohnung gedankliche Scheuklappen auf. Die größte Herausforderung, um stark zu bleiben, ist nämlich der Weg zur Kaffeemaschine oder Toilette ;). Wenn du dich trotzdem ablenken lässt: Verbarrikadiere dich in deinem Büro. Deck dich mit genügend Wasser, Kaffee, Snacks etc. ein, um 2-3 Stunden nicht von irgendwelchen Gelüsten in die Küche gelockt zu werden. Und dann leg los! 

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Home Office & Essen

Als Angestellter hat man etwas, was man als Selbstständiger nicht hat: eine Mittagspause ;). Gegen Mittag beginnt schon automatisch der Bauch zu knurren oder die Kollegen fragen, was man heute gedenkt, zu essen. Gemeinsam geht man in die Kantine oder Gemeinschaftsküche und plaudert über Dies und Das. Im Home Office sieht das etwas anders aus. Zwar wäre die gesamte Küchenausstattung zur Verfügung, aber keiner erinnert einen an die wohlverdiente Mittagspause. Schnell ist man verleitet, beim Magenknurren mal kurz bei einem Brötchen abzubeissen und sich wieder an den Schreibtisch zu begeben. 

Ich geb’s zu – meine Ess-Gewohnheiten waren teilweise wirklich katastrophal. Ein schnelles Brot, zwischendurch ein Keks – so konnte es nicht weitergehen. Wenn ich so richtig im Flow bin, vergess ich sogar hin und wieder aufs Mittagessen und hab am Abend entsprechenden Kohldampf. An manchen Tagen schaffe ich es aber, mir ganz in Ruhe eine Kleinigkeit zu kochen – und höre nebenbei Podcasts. . Da merke ich, dass mir bewusste Mittagspausen total gut tun (eh klar!).

Mein Tipp für’s zuhause arbeiten (auch an mich selbst): 

Nimm dir bewusst Zeit für eine Mittagpause und ein (halbwegs) gesundes Essen. Bereite dir am Vorabend schon etwas zu – so, als ob du in ein Büro fahren würdest. Oder such dir mal einen Schwung an leckeren Mittagssnacks raus, die relativ rasch zubereitet werden können. Wenn du (so wie ich) ungern alleine isst und verleitet bist, so schnell wie möglich zu essen, lies nebenbei in Ruhe eine Zeitschrift oder hör dir etwas an.  (Da würden mir Ernährungsexperten jetzt vermutlich widersprechen – aber ich kann einfach nicht NUR essen, sorry ;)).

 

Noch ein paar weitere Herausforderungen beim Arbeiten von zuhause aus

Alleine zuhause und die liebe Einsamkeit 

Juhu, keine lästigen Kollegen, keine anderen Telefonate – einfach nur Ruhe und Frieden! Oder so.. 

In der Anfangszeit hab ich die Gesellschaft so richtig vermisst. Manchmal so schlimm, dass ich mich nachmittags auf einen Kaffee verabredet habe, um mit jemandem zu sprechen. Oder im Notfall sogar den nächstgelegenen Supermarkt aufgesucht habe, um andere Menschen zu sehen ;).

Das Gute ist: Man gewöhnt sich daran, stundenlang alleine zu arbeiten. Mittlerweile genieße ich die Tage sogar richtig, wo keine Termine anstehen und ich einfach ganz in Ruhe dahinwerken kann.  Und sollte doch das Bedürfnis nach menschlichem Kontakt zu groß werden, gibt es Kunden, mit denen telefonisch etwas abgeklärt werden muss. Manchmal hör ich mir zwischendurch auch ein Webinar oder Live-Video an. Oder ruf für einen gemütlichen Kaffee-Tratsch die Mama an ;). 

 

Zuhause arbeiten und wohnen

Ein Schreibtisch ins Wohnzimmer gestellt und es kann losgehen? Nun ja – eher keine so gute Idee. Eine Zeit lang ging es bei mir nicht anders – und offen gesagt: Es war mühsam. Direkt neben der Couch zu arbeiten erhöht nicht gerade die Motivation. Und wenn nebenbei Familienmitglieder, Partner, Mitbewohner etc. herumtollen, kochen oder fernsehen, ist die Aufmerksamkeitsspanne bei Null.  

Wenn der Schreibtisch direkt im Wohnbereich steht, vermischt sich Arbeit und Freizeit noch mehr, als es das sowieso tut, wenn du zuhause arbeitest. 

Schon länger ist mein Büro nun ein eigener Raum innerhalb der Wohnung. Mit Ablagesystem, Pinnwand, Jahresplaner, Vision Board und allen möglichen Büro-Artikeln, die man so braucht. Denn auch eine Erkenntnis: Wenn du erst in die Küche musst, um eine Schere zu holen, ist der Fokus wieder dahin. Für mich mega-wichtig ist, dass ich mich im Büro wohlfühle und dort auch wirklich gerne Zeit verbringe. 

 

Rund um die Uhr Zeit für Freunde / Familie?

„Du hast ja eh untertags auch Zeit – lass uns was machen!“ Kennt ihr diese Vorschläge von Freunden und Familie? Einerseits: Ja, klar – kann ich mir ja einteilen! Andererseits: Wenn das ständig vorkommt, wird’s irgendwann kritisch. Und da heißt’s auch: Regeln für sich selbst aufstellen, um nicht bei jeder „Anfrage“ vom Schreibtisch abzuhauen. Aber wenn gerade weniger zu tun ist oder ein Tapetenwechsel sowieso ganz gut tut, wieso nicht? Dann wird halt am Abend noch eine Schicht eingelegt oder am nächsten Tag etwas mehr erledigt – das ist die Freiheit der Selbstständigkeit :).

 

Zuhause arbeiten mit Kindern

Selbstständige Mamas haben noch eine zusätzliche Herausforderung: nämlich Kinder und Home-Office miteinander zu vereinbaren. Bei diesem Punkt spare ich mir meine Weisheiten, immerhin bin ich damit (noch) nicht konfrontiert. 

 
 

Ach ja, und dann war da ja noch die Fantasie vom Jeden-Tag-im-Pyjama-arbeiten-können.

Da spart man sich in der Früh ja nochmal Zeit.
Und weniger Haushalt, weil weniger Wäsche. 
Und nach dem Mittagessen kann man sich noch ganz kurz auf die Couch legen, so gemütlich. 

Ja, geht. Aber nur manchmal. Wenn man keinen Termin hat, kein Handwerker vorbeikommt (wie würde das denn aussehen?) und absolut gar keinen Grund hat, rauszugehen. Und selbst dann: Irgendwie fühlt es sich zu gemütlich an für wirklich was weiterbringen. Spätestens nach ein paar Tagen im Pyjama sehnt man sich dann auch nach einem „richtigen“ Outfit und putzt sich extra für den Weg zum Supermarkt raus – du erinnerst dich: da geht man ja zwecks Einsamkeit hin, um Leute zu treffen ;). 

Also, zieh dir lieber was halbwegs normales an. Auch für den Fall, dass du doch spontan mit Freunden auf einen Kaffee gehen magst. 

Das einzige, was besser klappt im Pyjama: Feierabend machen und abschalten – immerhin hat man dazu ja schon das richtige Outfit an ;). 

 

Ok, wie überlebt man denn wirklich im Home Office?

Das Arbeiten von zuhause aus braucht eine gewisse Eingewöhnungszeit. Am Anfang möchte man all die wunderbaren Dinge ausprobieren, die man sich vorher ausgemalt hat. Teilweise passiert das Gegenteil und man verfällt wieder in die gewohnten Arbeits-Muster. Man schwankt zwischen neugewonnener Freiheit und dem immensen (von sich selbst erzeugten) Druck. Aber irgendwann ist die „Probierzeit“ vorbei und die eigenen Abläufe festigen sich mehr und mehr – und verändern sich auch wieder. 

Wenn du es schaffst,

  • aus den gewohnten Zeiten auszubrechen
  • die typischen Denkmuster über Bord zu werfen,
  • dir deine eigenen Routinen zu entwickeln, 
  • täglich neue Erkenntnisse zu gewinnen, wie du am besten arbeitest
  • und diese Erkenntnisse auch nutzt,

dann ist Home Office eine unglaubliche Bereicherung, ein deutlich entspannteres Arbeiten und eine ganz besondere Freiheit, die ich so richtig lieben gelernt habe :)!

 

Welche Erfahrungen machst du beim Arbeiten zuhause?
Was sind deine besten Tipps, um im Home Office zu überleben? 
Oder hast du noch Fragen dazu? 

Liebe Grüße,
Julia

 

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