• Julia Buchmayr

Firmenname finden: Die ultimative Anleitung



Deine Entscheidung steht und du bist dabei, dich selbstständig zu machen. Yeah - gratuliere! Jetzt brauchst du "nur" noch den richtigen Firmennamen. Theoretisch kannst du als Einzelunternehmerin deinen eigenen Namen verwenden - aber ist das eine gute Idee? Vielleicht eine Abkürzung oder doch ein kreativer Fantasiebegriff? Aber wie kommt man auf sowas? Und wie weißt du, ob den nicht schon wer anderer verwendet?


Ich zeig dir,

  • welche Möglichkeiten es für Unternehmensnamen überhaupt gibt

  • wann ich dir welche Variante empfehlen würde

  • wie du Ideen für deine Firmenbezeichnung findest

  • wie du prüfst, ob der Name schon vergeben ist.


Was macht einen guten Firmennamen aus?

Im Idealfall sollte der gewählte Name


  • dir selber gut gefallen - na, eh klar!

  • leicht merkbar sein.

  • einfach zu schreiben sein.

  • ein positives Gefühl vermitteln.

  • dich langfristig nicht zu sehr einschränken - wer weiß, was noch so kommt.

  • schon verraten, worum es bei dir geht.

  • als Web-Adresse & auf Social Media noch verfügbar sein (dazu später mehr).


Mit der Suche nach einem Namen fürs eigene Unternehmen kann man theoretisch Jahre verbringen. Sollst du aber natüürlich nicht! Verabschiede dich von dem Anspruch, den absolut perfekten Firmennamen zu finden.


Ein kleiner Einblick: In meinen ersten Monaten der Selbstständigkeit haben mich Leute aus meinem Heimatort gefragt, ob ich denn leicht Gartenplanerin bin. Und ich hab schlucken müssen. Jetzt hab ich so einen genialen Namen gefunden - und dann versteht den keiner? Blödsinn! Die richtigen Menschen - also meine Wunschkundinnen - wissen, worum's geht. Und das zählt!


Hinweis: Unternehmensname als Einzelunternehmen (in Österreich)

Als Einzelunternehmerin in Österreich musst du zuerst entscheiden, ob du dich ins Firmenbuch eintragen lässt oder nicht.


Nicht im Firmenbuch eingetragen: Du musst auf allen offiziellen Dokumenten deinen eigenen Namen angeben. Du darfst aber einen (zusätzlichen) Firmennamen für dein Marketing verwenden.


Im Firmenbuch eingetragen: Du kannst einen selbst gewählten Firmennamen eintragen lassen, der dann offiziell gilt. Zusätzlich stellst du noch ein e.U. (eingetragenes Unternehmen) hinten dran. Deinen Namen brauchst du dann nicht mehr anführen.


Mehr Infos dazu findest du hier:

https://www.usp.gv.at/gruendung/gruendungsfahrplan-einzelunternehmen/firmenwortlaut-firmenname.html

https://www.gruenderservice.at/site/gruenderservice/planung/Firmenname_und_Geschaeftsbezeichnung.html



Möglichkeiten für Unternehmensnamen

inkl. Empfehlungen für Einzelunternehmerinnen



AKRONYM / ANFANGSBUCHSTABEN

Bsp. ÖBB, IBM, RTL, VW, AEG, H&M


Unglaublich viele Unternehmensnamen bestehen aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter. Also eine gute Idee? Nö, bitte nicht! Als Einzelunternehmen ist es die absolut unkreativste Form eines Firmennamens. Kein Mensch merkt sich, dass dein Unternehmen CSW heißt. Nein, auch nicht, wenn du jedes Mal dazu sagst, dass es für "Coaching Susi Wimmer" steht ;).


(Die Beispiele oben sind alles bekannte Marken, die seit vielen Jahren laufend richtig viel Geld in Werbung stecken - drum hast du die im Kopf!)


Falls du jetzt neugierig bist, wofür diese ganzen bekannten Akronyme eigentlich stehen, hier gibt's eine Liste der Namensherkunft von ganz vielen Unternehmen -

https://de.wikipedia.org/wiki/List_von_Unternehmen_mit_Namensherkunftserkl%C3%A4rungen



TÄTIGKEIT + NAME

Bsp. Friseur Tanja, Ernährungsberatung Müller


Zwar etwas klarer, aber eher die altmodische Art für einen Firmennamen - und seien wir uns ehrlich: Dezent langweilig, oder?



DEIN EIGENER NAME

Ja! Wieso denn nicht? Besonders dann geeignet, wenn:

  • du dich als Personenmarke oder Expertin positionierst, also

  • DU als Person präsent sein möchtest und

  • dein Unternehmen rund um deine Person aufbauen willst.


Bsp. Autoren, Journalisten, Künstler, Influencer, ev. auch Coaches, kreative Dienstleister usw.


Es gibt aber - aus meiner Erfahrung - ein paar Ausnahmen, wo der eigene Name nicht so gut geeignet ist:

  • Du hast einen sehr häufigen Namen (z.B. Anna Huber).

  • Du hast einen sehr langen und/oder komplizierten Namen, den du jedes Mal buchstabieren musst (z.B. Constanze Marie Belevicz-Eckerstorfer)

  • Du hast einen Namen, der sowieso immer falsch geschrieben wird

  • (z.B. Julia Buchmayr --> Puchmaier, Bachmeyer, Buchmajer)


Wenn du geplant hast, früher oder später Mitarbeiter einzustellen, würde ich dir zwecks der Identifikation mit dem Unternehmen auch eher zur nächsten Variante raten.



FANTASIEBEGRIFF

Ich muss dich jetzt kurz enttäuschen: Die meisten "Fantasienamen" haben gar nicht so viel mit Fantasie zu tun, sondern eher mit Recherche und Kreativitätstechniken. Gern zeig ich dir ein paar Ansätze, die du für deine Ideenfindung nutzen kannst:


Der erste Schritt: Brainstorming

  • Schreibe alle möglichen Begriffe auf, die dir zu deinem Tätigkeitsbereich einfallen.

  • Schreibe auch andere Begriffe auf, die zu dir, deiner Person, deinen Werten & Stärken, deiner Zielgruppe und deren Bedürfnissen passen.



  • Recherchiere Ideen, Wörter, Begriffe, die andere aus deiner Branche verwenden.

  • Assoziiere Metaphern, Orte, Plätze, Begriffe, die sich für dich gut anfühlen.

  • (Was damit gemeint ist, liest du weiter unten)

  • Suche auf Google nach Synomen.

  • Übersetze deine Begriffe ggf. auch noch in andere Sprachen.

  • Lege eine große Begriffssammlung an,


Ja, das ist etwas Arbeit - ich weiß. Aber so entstehen einfach die besten Ideen!

Und dann heißts: Begriffe kombinieren, verändern, zusammenfügen - und zwar z.B. so:



Schaffe eine Wortkombination

Kombiniere unterschiedliche Begriffe aus deiner Sammlung miteinander. Hier kannst du auch gut dein Thema mit Assoziationen und Metaphern zusammensetzen - und schauen, was dadurch entsteht.


Bsp. Pizzaheaven, Werbefreundin, Podcastwonder

oder auch: visionsgarten 🙂



Bilde ein "Kofferwort"

Um einen "klingenden" Fantasiebegriff zu entwickeln, kannst du Wörter aneinanderreihen und die Anfangssilben zusammensetzen,


Bsp. Billa (= billiger Laden), BIPA (=billige Parfümerie), Hanuta (=Haselnusstafel),

o.b. (= ohne Binde), Pinterest (=Pin & Interest)


Lass mich raten: Mindestens eins davon hast du nicht gewusst, oder?


Weitere bekannte Beispiele und ihre Herkunft: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bekannte-marken-und-firmennamen-ich-taufe-dich-auf-den-namen-viagra-1.1114906-4



Häng eine "fancy" Endung hinten dran

Eine trendige Herangehensweise ist es, deinen Tätigkeitsbereich mit zusätzlicher Endung zu versehen z.B. -ella, -ando, -ei, -ista und so ein neues Kunstwort zu kreieren.


Liebhaberei

Lieferando

Investorella

Fermentista


Wenn dir dieser Ansatz gefällt, kannst du auch mal mit dem "Namensgenerator für Endungen" herumspielen: http://www.naminum.com/


Apropos: Es gibt online unzählige Namensgeneratoren für Firmennamen (google einfach danach). Erwarte davon nicht, dass du in 5 Minuten den perfekten Geschäftsnamen findest. Viele der vorgeschlagenen Ideen sind einfach Blödsinn. Aber sie sind auch eine Möglichkeit, um sich inspirieren zu lassen und neue Ideen daraus zu entwickeln.



Favoriten auswählen und Firmennamen-Ideen prüfen


So, nun hast du hoffentlich eine umfangreiche Ideensammlung. Vielleicht ist ja schon DER Name dabei, der dein Herz hüpfen lässt. Oder du hast ein paar mögliche Favoriten.


Prüfe jetzt nochmal die oben beschriebenen Faktoren:

  • klar

  • leicht merkbar

  • einfach zu schreiben

  • positiv

  • gefällt dir gut


Alles soweit passend? Sehr gut, dann bist du deinem Ziel schon einen großen Schritt näher. Aber MOMENT! Bevor du dich fix dafür entscheidest, fehlt noch ein ganz wichtiger Schritt: die Überprüfung!


Stell dir vor, du bist Tortendesignerin und kommst auf den wunderbaren Namen "Naschkatze".

Du lässt dir ein kreatives Logo gestalten, mit einer Torte in der Form einer Katze. In deine Webseite hast du auch schon viele Stunden investiert und bist jetzt bereit, sie zu veröffentlichen und auf Social Media rauszuhauen. Und dann: Kommst du drauf, dass die Web-Adresse schon vergeben ist und es auf Instagram schon 2 Foodbloggerinnen, eine Konditorei und eine Snack-Marke für Haustiere mit dem Namen gibt.


Darum: Zuerst überprüfen, dann erst entscheiden!



Firmennamen prüfen - Schritt 1: GOOGLE

So einfach und doch soooo wichtig. Google deine Firmennamen-Ideen.


  • Was wirft dir Google dazu aus?

  • Gibt es schon jemanden, der sich so nennt? Wenn ja: Betrifft dich diese Person, weil sie eine ähnliche Tätigkeit anbietet oder in deiner Region tätig ist?

  • Hat dein Fantasiename vielleicht eine andere bzw. negative Bedeutung z.B. in einer anderen Sprache? (Das passiert selbst den "Großen" - vor allem Automarken sind Meister darin, ihre Modelle als "Kothaufen", "Pest" und ähnliches zu bezeichnen - guck mal hier: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/autokatalog/marken-modelle/auto/flops-autonamen/)


Firmenname prüfen - Schritt 2: DOMAIN & SOCIAL MEDIA


  • Ist die Web-Adresse (Domain) noch frei? Google nach "Domain überprüfen" oder geh z.B. auf https://www.world4you.com/. Dort kannst du deine Ideen eingeben und erfährst, ob die Adresse mit dem jeweiligen Länderkürzel (.at, .de, .ch, .com etc.) noch verfügbar ist.


Mehr über die Wahl des richtigen Domain-Namens findest du auch im "Leitfaden für die (erste) eigene Webseite als Unternehmerin".



  • Wie siehts auf Social Media aus? Gib deine favorisierten Namen bei Facebook, Instagram, Pinterest, Youtube etc. ein. Zum schnellen Prüfen, ob ein Name noch verfügbar ist (als Domain + für Social Media): https://thenameapp.com/


Wenn du dir sicher bist, deinen Unternehmensnamen gefunden zu haben, dann warte auch nicht zu lange. Reservier dir gleich deine Web-Adresse und leg dir ein (ggf. noch geheimes) Profil auf den gewünschten Social Media-Plattformen an.



Firmenname prüfen - Schritt 3: WUNSCHKUND*INNEN

Kein Muss, aber auch nicht so verkehrt: Frag doch potentielle Kund*innen, wie ihnen der Name gefällt. Falls du dich zwischen 2 oder 3 Varianten nicht entscheiden kannst: Mach eine kleine Umfrage und hol Meinungen ein - und schon hast du das erste Marketing für dein Unternehmen gemacht ;).



Abschließend nochmal zusammengefasst:

  • Achte darauf, dass dein Firmenname so einfach und einprägsam wie möglich ist.

  • Lass die Finger von kryptischen Abkürzungen und unaussprechlichen Begriffen.

  • Wähle gern deinen Eigennamen, wenn du dich als Personenmarke positionieren möchtest.

  • Nutze unterschiedliche Kreativitätstechniken, um Ideen zu generieren.

  • Prüfe deinen kreativen Fantasienamen auf Verfügbarkeit, andere Anbieter und alternative Bedeutungen.



Alles Liebe und viel Spaß bei der Suche nach deinem Firmennamen,

Julia


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