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Care vs. Arbeit? Stephanie Doms und Julia Buchmayr über Vereinbarkeit

Autorenbild: Julia Buchmayr
Julia Buchmayr
vor 4 Tagen
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

Stephanie Doms und Julia Buchmayr sind beide Unternehmerinnen und Mütter. Gemeinsam haben sie nach vielen Gesprächen ein Seminar rund ums Thema Vereinbarkeit entwickelt, speziell für Mamas, die mehr wollen als "nur" Familie" - und sich fragen, wie sich das ausgehen soll.





Im Interview erzählen sie über ihre Beweggründe, setzen sich mit dem Begriff Care-Arbeit auseinander und teilen persönliche Erfahrungen.



Schulbeginn ist häufig – insbesondere für Mütter – auch Stressbeginn. Sie bieten ein Online-Seminar mit dem Titel „Care versus Arbeit“ an – und zwar für Mamas, die mehr sein wollen als „nur“ Familie. Was thematisieren Sie dabei?


Doms: Wir thematisieren die massive Herausforderung und teilweise Überforderung, die vor allem Mütter kennen, und begleiten Frauen, von denen erwartet wird, dass sie alles mühelos vereinbaren können. Provokant gesagt ist die Entscheidung für eine Familie leider immer noch ganz oft eine Entscheidung gegen das eigene berufliche Weiterkommen. Und wenn eine es schafft, dann ist sie eine „Powerfrau“ – für mich kein Kompliment; es zeigt lediglich, wie sehr Frauen sich anstrengen müssen, während Familie und Beruf für Männer nach wie vor selten ein Entweder-Oder ist. 


Buchmayr: Wir erleben viele Frauen, die sich bewusst für eine Familie entscheiden, aber trotzdem auch berufliche Ziele verfolgen möchten - oder im Beruf sogar den nötigen Ausgleich zur Kinderbetreuung sehen - und Mütter, die zugunsten der Familie ihre eigenen Ziele und Bedürfnisse jahrelang zurückstecken. Obwohl Erwerbsarbeit von beiden Elternteilen im Jahr 2026 selbstverständlich möglich sein sollte - und für manche Familien auch finanziell nötig ist, sind Frauen dabei aber oft mit organisatorischen Herausforderungen, veralteten Rollenbildern und einer ständigen Doppel-Belastung konfrontiert. 


Powerfrau ist kein Kompliment; es zeigt lediglich, wie sehr Frauen sich anstrengen müssen.

 

Was ist nun der Unterschied zwischen „Care“ und „Arbeit“?


Doms: Wir haben im Titel ganz bewusst ein Fragezeichen gesetzt - „Care vs. Arbeit?“ - um die Kluft zwischen den beiden “Polen” in Frage zu stellen. Was ich als Mama leiste, ist Arbeit. Wofür ich bezahlt werde, ist ebenfalls Arbeit. Beides ist notwendig, beides tue ich aus Liebe und mit Begeisterung, beides hat damit zu tun, dass ich Menschen einfühlsam begleite. Die einzigen Unterschiede sind die Bezahlung, die öffentliche Anerkennung und die Unterstützung, mit der ich rechnen kann - oder auch nicht. Ideal wäre ja, wenn für alle “Care & Arbeit” gut machbar wäre. 


Buchmayr: Care steht ja für Fürsorge oder sich kümmern - um Kinder, Haushalt, Pflege von Angehörigen etc. Die Frage dabei ist: Wer kümmert sich - um den Arzt-Termin, die Weihnachtsgeschenke, die unterschiedlichen Bedürfnisse und großen Emotionen - sowohl zeitlich als auch mental? Und bleibt irgendwann noch Raum für Selbstfürsorge?

Care-Arbeit ist Arbeit und braucht in manchen Phasen sogar mehr Energie als Erwerbs-Arbeit. Statt um Unterschiede geht es aber vielmehr um die Vereinbarkeit aller Lebensbereiche - innerhalb der Familie, in Unternehmen, in unserer Gesellschaft.  


Die Frage ist: Wer kümmert sich - um den Arzt-Termin, die Weihnachtsgeschenke, die unterschiedlichen Bedürfnisse und großen Emotionen - sowohl zeitlich als auch mental?


War der vieldiskutierte „Sager“ von Bundeskanzler Christian Stocker über die Arbeit der Mütter in der Familie der Auslöser, das Thema aufzugreifen?


Doms: Unabhängig davon, wie Herr Stocker die Aussage gemeint hat oder auch nicht: Aus meiner Sicht zeigt die Höhe der Wellen, die der „Sager“ geschlagen hat, wie wichtig das Thema ist. Die Möglichkeiten für Eltern, bezahlte Erwerbsarbeit und unbezahlte Care Arbeit gut zu vereinen, sind nach wie vor unzureichend - und die Leidtragenden sind in den allermeisten Fällen die Mütter. Dass wir dieses Thema gesellschaftlich immer noch diskutieren müssen, ärgert mich. Der „Sager“ war nicht der Grund, das Seminar auszuschreiben; das Bedürfnis war schon lange vorher da, weil ich viele Klientinnen begleite, die glauben, es liege an ihnen, dass sie die Dinge nicht besser unter einen Hut bekommen – und dabei die vielen verschiedenen gläsernen Decken und überzogenen Erwartungen übersehen, mit denen wir als Eltern, insbesondere als Mütter tagtäglich konfrontiert sind. Wenn wir über Arbeiten reden, müssen wir immer auch über Systeme, Strukturen und Rollenbilder reden. 


Buchmayr: Das Thema war vorab schon laufend sehr präsent. Wir schütteln öfter den Kopf bei Vorschlägen, die fernab jeglicher Realität sind oder der Teilzeit-Debatte, die ja auch sehr oft Mütter betrifft. Dem gegenüber stehen Unternehmen, die top-ausgebildete Frauen nach der Karenz mit Datenerfassung abspeisen, Väter, die um eine Eltern-Teilzeit kämpfen müssen, oder Mütter, die abends, oft nach über 12 Stunden Care-Arbeit, eine Selbstständigkeit aufbauen. Gründe, das Thema aufzugreifen, gibt es somit viele.  


Viele Frauen glauben, es liege an ihnen, dass sie die Dinge nicht besser unter einen Hut bekommen - und übersehen dabei die überzogenen Erwartungen, mit denen Mütter tagtäglich konfrontiert sind.

 

Sie arbeiten mit unterschiedlichen Ansätzen - welche Lösungen haben Sie parat?


Doms: Ich bin psychosoziale Beraterin und Mentaltrainerin. Ich unterstütze die Teilnehmerinnen des Seminars dabei, ihre persönliche Situation zu reflektieren und sich der eigenen Werte, Stärken und Potenziale genauso bewusst zu werden wie der Hürden, mit denen sie konfrontiert sind. Das ist per se noch keine Lösung; aber zu wissen, wo man genau steht, und klar zu benennen, wo man hin will, ist unerlässlich, wenn man einen neuen Weg einschlagen möchte. 


Buchmayr: Aus meiner Erfahrung als Business- und Job-Mentorin braucht es Räume, um die eigenen Wünsche und Bedürfnisse überhaupt mal zu erkennen und dann Alltag, Rollen und Berufsleben pro-aktiv zu gestalten. Statt Situationen als gegeben hinzunehmen, bedarf es oft Kreativität, auch unkonventionelle Lösungen in Erwägung zu ziehen - und den Mut, dies auch z.B. gegenüber Familienmitgliedern und Arbeitgebern anzusprechen. Mein Zugang ist es, nicht alles auf einmal verändern zu wollen, sondern kleine, wirksame Anpassungen zu entdecken, die den Alltag direkt etwas erleichtern. Auch innerhalb von Unternehmen kann es hilfreich sein, die Stärken und Herausforderungen von Müttern sichtbar zu machen und ideale Rahmenbedingungen zu schaffen. 


Es braucht Räume, um die eigenen Bedürfnisse überhaupt zu erkennen und dann Alltag, Rollen und Berufsleben pro-aktiv zu gestalten.


Sie sind beide Mutter – was fließt aus Ihrer persönlichen Erfahrung in das Seminar ein und was ist das Ziel des Diskurses?


Doms: Wir sind beide selbständig Erwerbstätige und Mutter. Wir wissen, wie schön Vereinbarkeit klingt und wie schwer sie umzusetzen ist. Aber wir haben unseren jeweiligen Weg gefunden; wir möchten auch anderen Müttern Mut machen und sie zu einer individuell stimmigen Lösung begleiten – mit Blick auf die persönlichen Ressourcen sowie auf die strukturellen Grenzen. Idealerweise verbessern wir damit nicht nur im Persönlichen, Kleinen etwas, sondern tragen auch im großen Ganzen zu einer Grenzverschiebung bei. 


Buchmayr: Wir sind beide liebevolle Mütter, die nur das Beste für ihre Kinder wollen, und engagierte Unternehmerinnen, die mit Leidenschaft unseren Berufen nachgehen. Um beidem gerecht zu werden, haben wir selbst vieles ausprobiert, immer wieder angepasst, uns regelmäßig mit anderen ausgetauscht und so vieles ermöglicht.

Unser Ziel ist es, die Herausforderungen offen auszusprechen, aber statt zu jammern uns gegenseitig mit erprobten Strategien zu unterstützen, individuelle Wege zu finden und so mehr Selbstbestimmung und Erleichterung für Mütter zu ermöglichen. Denn Unternehmen brauchen leistungsfähige Angestellte - und unsere Kinder brauchen präsente Mamas. 


Wir wissen, wie schön Vereinbarkeit klingt und wie schwer sie umzusetzen ist. Aber wir haben unseren jeweiligen Weg gefunden und möchten auch anderen Müttern Mut machen.


Dieses Interview erschien in den OÖNachrichten Innviertel bzw. Mühlviertel Anfang Oktober 2026. Zum Online-Artikel: "Powerfrau – das ist für mich kein Kompliment"



Über die Trainerinnen:



Stephanie Doms


  • Lebensfreudetrainerin &. psychosoziale Beraterin

  • Autorin "Das Mama-Gleichgewicht"

  • selbstständig seit 2014

  • Mama eines 11-Jährigen und einer 8-Jährigen


stephaniedoms.com


Julia Buchmayr

Julia Buchmayr


  • Work Life Happiness & Zukunftsdesign

  • Job- & Business Mentoring

  • selbstständig seit 2015

  • Mama eines neurodivergenten 6-Jährigen


visionsgarten.com





Mehr Infos zum Seminar:





Care vs. Arbeit?

Für Mamas, die mehr wollen als "nur" Familie - und sich fragen, wie sich das ausgehen soll 2 Vormittage zur Evaluierung des aktuellen Alltags mit praktischen Veränderungsimpulsen sowie Austausch in der Gruppe








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