Achtung: Dies wird heute ein sehr kritischer Artikel mit einem Hauch Sarkasmus und soll den ganz normalen Wahnsinn der heutigen Arbeitswelt aufzeigen. 

Als ich letzten Sommer meinen Blog gestartet habe, war es eins meiner Ziele, andere Möglichkeiten des Arbeitens aufzuzeigen und dem Hamsterrad zu entkommen. Wie ich auf dieses Thema gekommen bin? Weil mir in den letzten Jahren bewusst geworden ist, wie es in manchen Firmen abläuft – und mich eigene Erfahrungen, aber vor allem Erzählungen aus dem erweiterten Bekanntenkreis, massiv erschreckt und zum Nachdenken angeregt haben.

 

Ausgebrannt sein – mit nicht mal 30 Jahren?

Unter 30-Jährige, die sich nur mehr ausgelaugt fühlen. Abends vor Überforderung heulen. Mit chronischen Kopfschmerzen, Tinnitus & Co kämpfen. Und nach wenigen Jahren im Arbeitsleben schon knapp am BurnOut vorbeischrammen. Das ist leider keine Seltenheit mehr.

Laut Ärztekammer sind 1,5 Mio. ÖsterreicherInnen burnout-gefährdet.

Eine erschreckende Zahl.. Die Diagnose Burn Out gibt’s aber kaum, denn diese Form von Ausgebrannt sein ist (noch immer) keine anerkannte Krankheit! Betroffene müssen sich dann halt mit etwas anerkannteren psychischen Leiden wie Depressionen oder Angstzuständen abstempeln lassen. Oder sich womöglich noch „mangelnde Belastbarkeit“ nachsagen lassen.

Doch woran liegt das? Ist die heutige Gellschaft weniger belastbar als früher? Oder hat es vielleicht doch andere Gründe?

 

Buch „Ich liebe meinen Job – Dachte ich jedenfalls..“

Im Rahmen einer Blog-Parade durfte ich das Buch „Ich liebe meinen Job – Dachte ich jedenfalls…“ von Alexandra Götze lesen. (Mehr Infos dazu siehe am Ende des Artikels).

In diesem „Sachbuchroman“ geht es um Bea, eine Personalmanagerin in einem internationalen Versicherungskonzern. Als Maßnahme gegen ihre Unzufriedenheit beginnt sie, ein Job-Tagebuch zu führen und lässt uns einen ganzen Tag an ihrem Arbeitsleben teilnehmen. Ziel der Übung sei es, den Job wieder zu mögen und sich über die Einstellung zum Job bewusst zu werden. Mein Fazit dazu: Unglaublich erschreckend! Natürlich nicht das Buch selbst, sondern die Beschreibung des Arbeitsalltags, der heutzutage gängige Praxis in vielen, vor allem größeren, Unternehmen ist.

In diesem Buch werden im Laufe eines einzigen Arbeitstages unglaublich viele Themen angesprochen, die aus meiner Sicht zur Über-Belastung führen. Darum habe ich dies zum Anlass genommen, mal zu hinterfragen, welche Gründe die hohe Burnout-Rate haben kann.

 

Welche Themen sind das also, die unsere Gesellschaft ausbrennen lassen?*

*Die Themen spiegeln rein meine Meinung wider – und sind weder vollständig noch wissenschaftlich belegt..

 

Mehr Aufgaben – für weniger Budget und mit weniger Personal

Ein fix definierter Aufgabenbereich gehört der Vergangenheit an. Laufend kommen neue Themen und Projekte auf einen Mitarbeiter zu, die er zusätzlich zu seinen sonstigen Aufgaben bearbeiten soll. Parallel dazu wird aber an allen Ecken und Enden das Budget gekürzt. Überall solls noch etwas günstiger gehen und Personal wird eingespart, wo’s nur irgendwie geht. Zusätzlich kann’s passieren, dass sich Zielsetzungen in den Führungsetagen nach Lust und Laune ändern. Improvisation und ständiges Multi-Tasking statt produktiver Arbeit ist angesagt – weil jede Woche ein anderes Projekt „allerhöchste Priorität“ hat.

 

Besprechungskultur

Für sämtliche dieser Projekte sind natürlich Besprechungen, neumodern „Meetings“ genannt“ nötig. Dies führt dazu, dass Mitarbeiter den Großteil ihres Arbeitstages in Terminen, wo laut Buch „viel gesprochen, aber nichts gesagt wird“, verbringen. Zusätzlich sind Angestellte im heutigen Arbeitsalltag ständigen Unterbrechungen ausgesetzt – der Anruf vom Vorgesetzten, die unzähligen Mails oder die unbeliebte Aussage „Hast du mal kurz eine Minute?“ vom Kollegen.  Dass dafür extrem viel Zeit draufgeht, die für alle anderen To Do’s fehlt, braucht man wohl nicht zu erwähnen.

 

Funktionieren – statt nachdenken!

Mitarbeiter müssen heutzutage funktionieren: Hauptsache, die Aufgaben sind zum gewünschten Termin erledigt. Um dies zu schaffen, wird ständige Erreichbarkeit vorausgesetzt! Der (rund um die Uhr volle) Posteingang wird oft erst in der Freizeit abgearbeitet, weil im Büro keine Zeit dafür bleibt.

„Man sollte nie soviel zu tun haben, dass man keine Zeit mehr zum Nachdenken hat!“

Trotz diesem bekannten Zitat bleibt das Nachdenken über neue Ideen oder eine Verbesserung der Arbeitsabläufe komplett auf der Strecke. Sollte ein Mitarbeiter dennoch mal eigene Ideen oder Verbesserungsvorschläge einbringen wollen, ist das ein schwieriges Unterfangen – denn (konstruktive) Kritik ist meistens nicht gern gesehen.

 

Regelwerke für jeden Punkt und Beistrich

Umso größer das Unternehmen, desto mehr muss geregelt sein – damit alles so funktioniert, wie es soll (inkl. den Mitarbeitern) . Dazu werden umfangreiche Verhaltens-Richtlinien und Vorschriften-Kataloge eingeführt, die einerseits jegliche Arbeitsprozesse verkomplizieren, andererseits auch wiederum das eigene Denken und den gesunden Hausverstand zum Schweigen bringen.

Da gibt’s dann strikte Wording-Regeln, wie gewisse Begriffe im Unternehmen genannt werden müssen – und wehe, es wird ein anderes Wort dafür verwendet…

Verwarnungen werden ausgeteilt, wenn sich (erwachsene!) Menschen beim Stiegen steigen nicht am Geländer festhalten. Ein Hoch auf die Sicherheitsvorschriften ;)!

Oder mein absoluter Favorit: In einem bekannten Konzern ist es strikt verboten, mehr als ein Getränk am Schreibtisch stehen zu haben – das gleichzeitige Glas Leitungswasser zum Nachmittags-Kaffee kann also zur Kündigung führen.

 

Pseudo-Gesundheits-Maßnahmen

Nachdem aber alle Unternehmen ja unglaublich sozial sind und nur das Beste für Ihre Mitarbeiter wollen (Achtung Sarkasmus ;)), gibt’s dann laufend tolle Maßnahmen zur „betrieblichen Gesundheitsförderung“. Diese sollen dann die chronischen Rückenschmerzen oder den täglich steigenden Stress-Pegel  reduzieren – idealerweise kombiniert mit einem neuen Regelwerk ;). Im Buch wird dazu ein einstündiges „Achtsamkeits-Training“ beschrieben, wo Führungskräfte eine Entspannungsübung lernen, die sie im Arbeitsalltag anwenden soll. Da stellt sich die Frage: Wann soll sich das noch ausgehen? Und wie richtigerweise angemerkt wird: Sollte man nicht vielleicht ein paar Schritte vorher ansetzen?

 

All-In-Verträge und Überstundenpauschalen

Dieser Punkt kommt zwar im Buch nicht direkt vor – es ist mir aber ein persönliches Anliegen, diesen noch hinzuzufügen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass All-In-Verträge in manchen Branchen nicht mehr wegzudenken sind. Für alle, die damit (gottseidank) noch nicht konfrontiert wurden: Ein All-In-Vertrag bedeutet, dass im normalen Gehalt alle Überstunden automatisch inkludiert sind. Überstunden werden (teilweise in ungeheurem Ausmaß) angeordnet – und weder erhält der Mitarbeiter eine (finanzielle) Entschädigung noch gibt’s Zeitausgleich oder vergleichbares. Konkret heißt das: Einfach mal 60 Stunden arbeiten, obwohl man für 40 Stunden bezahlt wird – weils so im Arbeitsvertrag steht.

Und wenn jetzt jemand meint: „So schlimm kanns ja nicht sein, es gibt ja gesetzliche Regelungen für die Arbeitszeit!“. Da muss ich leider enttäuschen…  Ja, geben würde es die schon.
Der Haken an der Sache: Es ist mittlerweile üblich, dass Mitarbeiter so lange ihre Arbeitszeiten am Stundenzettel herumjonglieren, bis alle Arbeitsgesetze am Papier eingehalten werden. Laut Stundenzettel ist dann alles wunderbar – und „weil momentan so viel zu tun ist“ sitzt er trotzdem von 7 Uhr morgens bis 2 Uhr früh im Büro.. 

 

So weitermachen – oder vielleicht doch etwas ändern?

Beas Ansatz im Buch ist es, bei sich selbst anzufangen und sich nicht mehr so extrem fremdsteuern zu lassen. Ob das funktioniert, steht in den Sternen – oder vielleicht mal in einem zweiten Teil. Ich bezweifele, dass man mit solchen Arbeitsbedingungen wirklich zufrieden sein oder werden kann.. ABER ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich in näherer Zukunft an einigen der oben genannten Punkte etwas ändern muss. Vielleicht regt ja sogar dieser Artikel schon den einen oder anderen zum Nachdenken an..das wäre ja schon ein erster Schritt!

Für Konzerne mit strengen Hierarchieebenen und umfangreichen Richtlinien muss man wohl auch der Typ sein. Ich bin’s definitiv nicht – aber da musste ich durch einige Erlebnisse auch erst mal draufkommen. Ich möchte produktiv an meinen Projekten arbeiten, mich auch ohne aufgezwungene Gesundheits-Maßnahmen wohl fühlen, als erwachsener Mensch gewisse Dinge selbst entscheiden – UND: unbedingt noch Zeit zum Nachdenken haben!

 

lg,
Julia,
die erst recht produktiv ist, wenn sie Kaffee UND Wasser trinken kann – und im Extremfall sogar noch eine Tasse Tee und ein paar Schokokekse dazupackt :)!

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